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Peter Hofmann
Mensch und Höhle - Wege im Inntal


Tischoferhöhle
Die Höhle der Bären

Ein Besuch der Tischoferhöhle bedeutet eine Exkursion zur wichtigsten vorgeschichtlichen Fossilien-Fundstätte Nordtirols und gleichzeitig eine Wanderung in eines der schönsten Täler der gesamten Alpen – schon aus diesem Grunde sollte man ihn unbedingt unternehmen.

Der Weg ist das Ziel

Der Weg zu diesem Exkursionsziel führt ins Kaisertal, einem der letzten nicht mit dem Auto erreichbaren Gebirgstäler der Alpen, allein dieses zu besuchen wäre schon Anlass genug.

Der Parkplatz in Kufstein, genauer gesagt im Ortsteil Sparchen nordöstlich vom Zentrum ist gut zu finden. Am einfachsten erreicht man ihn, wenn man sich von Ebbs her nähert und kurz vor Kufstein links (Hinweis zum Kaisertal-Sessellift) abbiegt.

Am sehr großen Parkplatz beginnt der Kaisertalweg unübersehbar – vielleicht sollte an dieser Stelle auch stehen, dass sich die Wochenenden der Hauptsaison nicht so gut eignen ...

Das mühsamste Stück sind die 236 Stufen am Anfang, aber nach einer guten viertel Stunde hat man sie auch überwunden. Dann ist der Treppenweg zu Ende, ab hier ist der Weg durchs Kaisertal breit und befahrbar wenn auch weiter ansteigend. Man erreicht eine Art kleinen Parkplatz, Fahrzeuge der Talbewohner stehen hier (die zerlegt, über den Stufenweg oder mit dem Hubschrauber ins tal gebracht werden müssen, denn, wie erwähnt, um eine Zufahrt wird zwar heftig gestritten, bislang gibt es sie aber noch nicht!).

Links am Weg ist gleich danach ein interessantes Objekt, eine kleine Durchgangshöhle etwa 10 m lang, evtl etwas erweitert, vermutlich aber in der Anlage natürlichen Ursprungs.

Die Eingänge sind auf beiden Seiten etwa 1,5 m hoch und breit, Gitter beidseitig verschließen den Durchgang.

Man steigt jetzt die Fahrstraße weiter aufwärts, schon bald kommt rechts ein Abzweig, das Schild "Tischoferhöhle" ist allerdings nur von rückwärts, also Talauswärts gehend, lesbar.

Zunächst grasig abwärts, trifft der Steig bald auf einen Querweg (hier beim Rückweg etwas aufpassen) verfolgt diesen nur kurz nach links und fällt dann wieder nach rechts ab. Nach 10 Minuten ist ein nochmaliger Abzweig rechts zur Höhle beschilderte Der Hauptweg geht weiter hinunter bis zum Bach (an dieser Stelle sichtbar), den man hier an einer kleinen Mauer überschreiten kann.

Der Weg zur Höhle ist sehr reizvoll, bald kommt sogar ein Stück Drahtseilgeländer, an einer kleinen Halbhöhle, der Hyänenhöhle. Sie ist etwa 5 m breit, 2 m hoch und nur etwa 3 m tief, aber, wie man später noch sehen wird, geschichtlich auch nicht ganz unbedeutend.

Dann ist das Ziel erreicht, insgesamt ist man in 40 min. vom Parkplatz an der Tischofer Höhle.

Der Höhlenraum

Die Höhle begrüßt uns ganz unvermutet riesengroß, 20 m breit und über 8 m hoch wölbt sich der Eingangsbogen. Praktisch, dass sich vor dem Eingang eine Bank zum Verweilen und Betrachten befindet.

Zudem ist er direkt nach Süden gewendet und bildet damit ein sonniges Plätzchen, im Sommer scheint die Sonne freilich nicht allzu weit ins Portal hinein.

Die Höhle ist nicht sehr tief, etwa 40 m, sie zieht sich in einem leichten Bogen nach rechts, dann endet sie ohne weitere Fortsetzungsmöglichkeiten. Durch den großen Eingang fällt Licht bis in die hinteren Teile - eine kleine Taschenlampe schadet zur Detailerkundung aber nicht.

Der Boden ist leicht ansteigend und durch Grabungen verändert, verschiedentliche Mulden zeugen noch davon, ansonsten erahnt der Besucher nicht, an welch wichtigem Fundplatz er sich befindet. Die Decke bildet ein relativ gleichmäßiges Gewölbe ohne jeden Tropfsteinschmuck.

Öfter werden sicher hier Feste abgehalten, worauf die große Feuerstelle im vordersten Bereich schließen lässt, sonst aber ist das Objekt erfreulich sauber. An der rechten Portalseite ist eine Platte mit Erläuterungen angebracht:

Eine skurrile Namensbildung

Bemerkenswert, fast schon skurril ist die Geschichte der Namensgebung der Höhle.
Ursprünglich hieß sie Schäferhöhle.

Bei der Erstellung der österreichischen Generalstabskarte im 19. Jahrhundert wurde sie plötzlich als Tischoferhöhle eingetragen, und dies vermutlich auf Grund eines Missverständnisses: im Jahre 1809, als die Franzosen und Bayern wiederholt bei Kufstein ins Tiroler Land einbrachen, (damals war die Festung Kufstein in der Hand der Bayern und gehörte diesen noch weitere fünf Jahre,) benutzten die Tiroler in ihrem Befreiungskampf die Höhle angeblich als Versteck für ihre Waffen und als Versammlungsort.

In der Höhle aber soll sich ein steinerner Tisch befunden haben, weshalb es bei den Aufständischen auch hieß, man gehe "zum Tisch oba", wenn man sich zur Höhle aufmachte. Nach einer anderen Variante soll dieser Ausspruch sogar ein Losungswort gewesen sein, das zur Versammlung rief.

Da hatten die Landvermesser wohl etwas falsch verstanden ...

Ein Ort mit archäologischer Bedeutung

Im Jahre 1607 erhielt der Landesfürst von Tirol, Erzherzog Maximilian, einen merkwürdigen Fundgegenstand. Es war ein uralter, verwitterter Knochen, offensichtlich ein Oberschenkelknochen, der aber wegen seiner außerordentlichen Größe und seines Gewichts von sechs Kilogramm keinem gewöhnlichen Menschen gehört haben konnte, Also mußte er, so folgerte man, wohl von einem Riesen stammen. In einem Begleitschreiben teilte der Schlosshauptmann Karl Schurff seinem Landesfürsten auch mit, wo der Knochen gefunden worden war, nämlich ganz in der Nähe in einer großen Höhle, in der man schon vor Jahren nach Schätzen gegraben, jedoch nur Knochen gefunden hatten. Der Fund stammte natürlich nicht von einem Riesen, sondern vermutlich von einem Höhlenbären.

1859 grub der Geologe Adolf Bichler erstmals wissenschaftlich dort.
1906 folgte Prof. Max Schlosser aus München, nachdem im selben Jahr kurz vorher Mitglieder des Historischen Vereines Kufstein erfolgreiche Versuche unternommen hatten.

Es fanden sich zwei Kulturschichten.

Die untere barg unter anderem ca. 380 (!) Höhlenbären, 2 Höhlenhyänen, einen Höhlenlöwen, Wölfe, Füchse, Rentieren, Steinböcke und Murmeltiere. Die Skelette der Bären konnten rekonstruiert werden. Das Alter der gefundenen Raubtiere kann nach modernen wissenschafltichen Erkenntnissen und Methoden auf 25000 bis 30000 Jahre festgelegt werden. Noch bedeutender aber waren die 8 bearbeiteten Knochenspitzen und damit der bisher älteste Nachweis menschlicher Anwesenheit in Nordtirol.

In der zweiten, jüngeren Schicht fanden sich Skeletteile von ca. 30 – 35 Personen, davon 17 Kinder und Jugendliche. Vermutlich handelt es sich um ein Gräberfeld – dieses wäre in einer Höhle aber ein sehr seltener Fund. (Leider waren die Funde gegenüber ihrer ursprünglichen Lage sehr verändert, vermutlich als Folge von Raubgrabungen und "Schatzsuchen".)

Gleichzeitig wurde aber auch ein Siedlungsplatz mit Feuerstellen nachgewiesen, Schmuck und Keramik sind typisch für die in Bayern beheimatete frühbronzezeitliche (also ca. 1500 v. Chr.) "Straubinger Kultur". Gleichzeitig hat in der Höhle eine Werkstatt, nämlich eine Bronzeschmelze mit Gießerei bestanden! Man glaubt, dass die Materialien aus dem Bereich Schwaz-Brixlegg stammen, womit indirekt dort auch ein bronzezeitlicher Bergbau nachgewiesen wurde..

Nicht vergessen sollte man auch die bereits angesprochene Hyänen-Halbhöhle in unmittelbarer Nähe. Ihr schenkten die Ausgräber erstmals 1920 Interesse und fanden sogleich auch dort Besiedlungsreste in Form einer bronzezeitlichen Schmiedewerkstätte.

Letzte Forschungstätigkeiten fanden in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts durch Menghin und Kneissel statt.

Ziele für die "Nachexkursion"

Zurück am Weg empfiehlt sich unbedingt, noch eine kleine Kaisertalwanderung anzuschließen, den Fahrweg taleinwärts sollte man mindestens noch kaum eine Viertelstunde bis zum Pfanndlhof verfolgen, wenn man sich gestärkt hat, aber möglichst noch ca. 20 min. weiter bis zur Antoniuskapelle, der Blick, manche sagen, einer der schönsten der nördlichen Kalkalpen, lohnt die Mühe allemal.

Ein Besuch der Festung inKuftein schließlich würde den Besuch der Tischofer Höhle zusätzlich abrunden. Denn die Höhle selbst ist heute gänzlich leer, eine interessante Ausstellung mit Funden ist im Heimatmuseum der Festung Kufstein zu sehen.

Diese Exkursionsbeschreibung ist die gekürzte Fassung eines Kapitels aus:
Peter Hofmann:
Mensch & Höhle - Wege im Inntal: Ein anthropospeläologischer Exkursionsführer zu den Höhlen des unteren Inntales
zwischen Rosenheim und Kufstein. 
BOD-Verlag, Norderstedt, Mai 2005 ISBN 3-8334-2811-2.
Nähere Informationen und Bestellmöglichkeit unter der Rubrik
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