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Peter Hofmann
Mensch und Höhle - Wege im Inntal


Rund um Neubeuern
Von Mühlsteinen und Steinbrüchen

Der Ort Neubeuern, noch in den Voralpen gelegen, auf steiler Kuppe, von einem romantischen Schloss überragt, ist sicherlich alleine schon einen Ausflug wert. Der malerische Marktplatz, von der Kirche beherrscht und von Häusern umrahmt, die sich gegenseitig im Reichtum ihrer Lüftlmalerei zu übertreffen suchen, ist vielleicht der schönste des ganzen Inntales. Kein Wunder, dass der Ort schon einmal zum schönsten Dorf Deutschlands gekürt worden ist!

Ein lohnender Ausflug

In Neubeuern selbst steuert man zunächst den Marktplatz an (ob dotrt allerdings ein Parkplatz zu bekommen ist, ist fraglich) und lässt die Gebäude etwas auf sich wirken.

Dann empfiehlt sich für den ersten Überblick ein Aussichtspunkt, den man in ein paar Minuen erreicht hat: An der Kirche rechts vorbei trifft man auf das Cafe Haschl-Alm. Wenn es geschlossen ist, hat man Pech gehabt, denn es gilt, durch den Eingang Richtung Terasse des Cafes zu gelangen. Dann führt unmittelbar vor der Terasse links eine Eisenstiege hinauf und weitere, teils Steile Stufen zu einem Aussichtspunkt. mit Bank. Der Blick schweift weit über das ganze Inntal, links begrenzt vom markanten Kranzhorn, gegenüber vom Schwarzenberg, die mächtige Wand des wilden Kaisers bildet den optichen Abschluss des Panoramas.

Wie geschaffen also als Auftakt zur Erkundung des Inntales!!

Im Wetzsteinbruch

Unser Hauptinteresse freilich gilt den geologischen Besonderheiten des Marktfleckens.

Man verlässt den Marktplatz durch das westliche Tor, an der Bäckerei Bauer vorbei. Dort befindet sich ein Aufgang zum Schloss (und an dieser Stelle wird unser Rundgang später wieder enden).

Nach dem Tor folgt man der leicht abwärts führenden Straße Straße gute 100 m hinunter, sie macht einen Rechtsbogen und bevor sie deutlich steiler abzufallen beginnt, münden von rechts zwei kleinere Strässlein. Sie treffen sich hier vor einem Keller, der in den Felsen hinein führt. Etwas versteckt findet sich auch der Hinweis zur Wolfsschlucht.

Den linken Weg verfolgt man also, über den Hof eines ehemaligen Industriegebäudes (Teile der Gebäude sin interessant direkt an den rückwärtigen Felsen angebaut).

Dahinter liegen Tennisplätze (des Internates), dort über einige Stufen hinauf und an der Wegteilung links gelangt man leicht ansteigend schnell in das Areal des Steinbruches, der unser Ziel bilden soll.

Der Weg führ teils über Treppen mitten durch den Steinbruch hindurch, der eine gerade, lange Kluft bildet, die an der Sohle durchgehend etwa 15 m breit ist. Schon zu Beginn ragen links und rechts die Wände etwa 15 m empor. Weitere Treppen leiten uns bald ganz rechts an den Rand der Schlucht heran, und so ist bald der höchste Punkt des Weges innerhalb des Steinbruches erreicht.

Hier ist das Gelände gut zu überblicken, eine ganz eigentümliche Landschaft tut sich dem Betrachter auf.

Der Steinbruch ist ein ehemaliger Wetzsteinabbau. Entstanden ist die Klamm aber erst durch Einsturz der ehemals unterirdischen Abbaue!

Wenn man auf dem höchsten Punkt auf dem Bodenmaterial steht, kann man schon erahnen, dass es von oben herabgestürzt ist. Andererseits fällt es schwer, sich vorzustellen, dass auf eine solche Breite unterirdisch abgebaut wurde, zumal die Wände bis praktisch an den oberen Rand gerade und bearbeitet aussehen, vom Ansatz der ehemaligen Decke ist nichts zu erkennen!,

Die interessanteste Stelle folgt nun, der Weg führt links ein paar Stufen hinunter, unter einen riesigen (wohl ebenfalls herabgestürzten) Block, der so an die linke Wand angelehnt ist, dass er eine Durchgangshöhle bildet. Ihre Länge beträgt immerhin knapp 15 m, man kann bequem hindurchgehen.

Im Eingangsbereich sind links und rechts Farbschmierungen offenbar neueren Datums angebracht. Interessant ist die Durchgangshöhle kurz vor der engsten Stelle, auf einem Wandbereich links, der auffallend glatt ist, sind mehrere Inschriften deutlich eingraviert.

Unter anderem sind zu erkennen: links oben in einem Quadrat die Jahreszahl 1988 und die Buchstabenfolge A O S, in der Mitte die schönste (und älteste?) Gravierung, in einem Quadrat K W 1886, etwas weiter rechts 1907, weiterhin etliche grafische Symbole und Figuren, noch weiter rechts unten noch eine Inschrift 1974 – 78 N.H. ferner 1957 mit den Initialen H. G. und einer weiteren Jahreszahl 1991.

Die Inschriften befinden sich alle auf einem auffallend glatten Band das sich schräg nach unten zieht.

Nach Durchschreiten der Klufthöhle steht man im eindrucksvollsten Teil des ehemaligen Steinbruches, die Sohle ist hier noch etwa 10 m breit, die Wände ragen 15 – 30 m senkrecht und glatt bearbeitet in die Höhe.

Nach weiteren 50 m Weges ist das hintere Ende des Steinbruches erreicht. Im hintersten Bereich an der linken Wand sind zahlreiche offensichtl einstmalige Balkenlöcher in der Wand auffällig. Es handelt sich um quadratische Löcher von etwa 20 x 20 cm Seitenlänge.

Auf einer glatten Fläche befindet sich nochmals eine große Gravierung JOH AUER, gemeint könnte der Name Johann Auer sein. Der Schriftzug ist auffallend groß, 1 m breit und über 20 cm hoch. Rechts daneben befindet sich ein Kreuz, flankiert von den beiden Buchstaben C und G. Sollte letzeres eine neuere Gedenkstätte darstellen? Auffallend stand jedenfalls direkt darunter ein (abgeblühter, schon etwas vertrockneter) Rosenstock, in einem Blumentopf offensichtlich gezielt dort platziert!

Abschließend noch ein großer Schriftzug CARMEN in 2 Reihen, so dass die ersten 3 Buchstaben über den letzteren 3 Buchstaben stehen.

Das Steinbruchgelände hat man dann hinter sich gelassen, der Weg teilt sich.. Links hinunter und dann am Sportplaz rechts gelangt man zum Zentrum zurück. Sehr empfehlenswert und nicht länger ist aber der Weg rechts. Wieder einige Stufen aufwärts in einem Rechtsbogen stößt er bei einer kleinen Wegkapelle zunächst auf einen Fahrweg und erreicht dann nach wenigen Metern das Gelände des Schlosses. Durch einege neueren Gebäude ergänzt beherbergt das Schloss ein Gymnasium und Internat, daher ist leider nichts zu besichtigen. Manchmal hat man aber Glück und das Tor rechts des Haupteinganges steht offen, dann sollte man auf "Schauseite" des Gebäudes einen Blick werfen (ein Schild, das die Passage eigentlich verbietet, übersehen wir geflissentlich).

Der schönen Fassade sind auf der dem Ort zugewandten Seite Terassen mit romantischen Gärten vorgelagert, der mächtige Turm (und älteste Teil der Anlage) steht frei vor der langgestreckten Schlossanlage. Der Blick geht natürlich wieder weit ins Land hinaus – und zu Füßen liegt dem Betrachter der Marktplatz Neubeuerns und die Kirche.

Vor dem Schloss rechts hinunter führte ein Weg in wenigen Minuten zum Marktplatz und damit zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zurück

Sicher, der Weg ist wirklich nicht weit, aber eine Stunde sollte man einkalkulieren, dann kann man ihn auch würdigen und genießen – und vielleicht in einem der gastlichen Wirtshäuser rund um den Marktplatz abschließen.

Der Mühlsteinbruch

Wessen Interesse für nicht alltägliche Steinbrüche allerdings geweckt ist, dem sei danach noch ein müheloser, überaus lohnender Abstecher in den Mühlsteinbruch von Altenbeuern ans Herz gelegt.

Wenn man den Marktplatz von Neubeuern durch das östliche Tor verlässt und die Straße nach links einschlägt, ist Altenbeuern schnell erreicht. Auf der Hauptstraße von Neubeuern nach Altenbeuern fährt man zunächst (auf eben dieser Hauptstraße bleibend) in einiger Entfernung an der Kirche vorbei, nimmt die nächste Straße rechts hinauf und dann wieder die nächste Straße, die uns unmittelbar hinter die Kirche bringt. Dort beginnt eine kleine Straße, die von der Kirche weg führt. Ein Hinweisschild zu den Mühlsteinbrüchen befindet sich hier ebenfalls.

Die kleine Straße schlängelt sich einen guten Kilometer vom Ort weg, dann gabelt sie sich und direkt bei der Gabelung erweckt bereits ein eigenariges Monument unser Interesse: Ein Mühlstein, der noch zur Hälfte fest mit dem Felsen verbunden ist, aus dem er offensichtlich gerade herausgearbeitet werden sollte, ist hier aufgestellt. Er gibt einen Hinweis auf das, was den Besucher erwartet.

Direkt rechts neben dem Stein beginnt der Pfad, der einige Höhenmeter abfällt und zum Grunde eines länglichen Kessels, dem ehemaligen Abbaugebiet führt. Schnell ist eine Bank erreicht und staunend steht der Besucher vor fast 30 m hohen Wänden

In den Jahren 1489 bis 1860 wurden hier Mühlsteine aus dem Fels geschlagen. Gearbeitet wurde mit Spitzeisen und Meißel. Arbeiter trieben zunächst Buchenklötze in die Löcher und begossen diese mit Wasser. Das Holz quoll auf und so wurden Steine von der Wand gesprengt. (Diese Methode war bis zur Erfindung des Schießpulvers allgemein verbreitet und bereits aus der Antike überliefert, schon Hannibal bahnte damit seinen Elefanten den Weg über steile Alpenpässe!)

Die Qualität der Beuerer Produkte schien hoch zu sein, denn die Innschiffer brachten die Mühlsteine über weite Strecken zu den Abnehmern.

Die Schrämmspuren an den Wänden sind sehr interessant, geradezu spektakulär, die ganze Wand ist durchgehend bearbeitet! Zahllose kreisförmige Vertiefungen im Durchmesser der Steine, führen die Arbeitsmethodik geradezu bildhaft vor Augen. Der Betrieb hat eine riesige Halbhöhle herausgearbeitet von etwa 30 m Länge und bis zu 20 m überhängend. Der Boden ist sehr nass, etwas sumpfig.

An keiner Stelle sind mehr halbfertige oder gar ganz herausgearbeitete Steine mehr zu sehen, von dem Ausstellungsstück am Eingang einmal abgesehen. Dafür sind andere Benutzungsspuren dieses einmaligen kulturhistorischen Denkmales nicht zu übersehen, in der Mitte des Areals zeigt eine Feuerstelle von häufigeren Festen, im hinteren Bereich, wo die Halbhöhle in einem Bogen ausläuft, ist die gesamte Wand stark verrußt..

Schade, dass dieses Areal nicht stärker für den Besucher attraktiv gemacht wird, ein paar erläuternde Tafeln, die Befestigung des Bodens und eine neue Bank würden vielleicht den Besucher eher zum Verweilen einladen und von weiterem Verschmutzen zurückschrecken lassen!

Dass es durchaus anders gehen würde zeigt ein Ereignis, dass dem Generalthema unseres Buches, der Anthropospeläologie alle Ehre macht.

Im Jahre 1991 war der Steinbruch die stimmungsvolle Kulisse für die Freilichtaufführung eines bekannten bayerischen Volksstückes, dem "Brandner Kaspar".

Sandsteinbruch, Findling, Gletscherschliff

Wer schließlich noch einen abschließenden Höhepunkt sucht, der kann noch eine Stelle besichtigen, die einen Gletschergarten, einen Findling und einen Sandsteinbruch gleichzeitig bietet! Doch könnte der Besucher auch etwas enttäuscht sein – doch davon später.

Die Örtlichkeit, der sogenannte Steinbruch Eckbichl, der ebenfalls im Geotopverzeichnis des Bayerischen Geologischen Landesamtes zu finden ist, ist leicht zu erreichen.

Am Besten fährt man die kleine Straße links am Mühlsteinbruch vorbei weiter und kommt nach einigen hundert Metern auf deine Teerstraße, in die man links abbiegt. Es handelt sich um die Verlängerung der Straße, von der man zur Kirche abgebogen ist. Auf dieser fährt man also wieder zurück zur Hauptstraße, auf der man von Neubeuern gekommen ist. Diese verfolgt man nun nach rechts, also nicht nach Neubeuern zurück, sondern in die andere Richtung.

Schon nach einem kurzen Stück bemerkt man links unmittelbar an der Straße einen bewaldeten Hügel. Unmittelbar danach kann man links in eineWohnstraße abbiegen. Die nächste Querstraße heißt sinnigerweise Findlingstraße, hier können wir schon vermuten, am Ziel zu sein.

Gegenüber der Findlingstraße führt ein Weg – durch einen Pfosten abgesperrt – direkt in das ehemalige Steinbruchgebiet. Links und rechts einer ebenen, geteerten Fläche ragen die Sandsteine, die hier abgebaut wurden, senkrecht in die Höhe

Leider macht das ganze Areal einen völlig verwahrlosten Eindruck, die Teerfläche sollte wohl einmal als Bolzplatz, Sommerstockbahn oder ähnliches dienen, von den Wänden hängen teilweise alte Elektrokabel, stellenweise sind die Wände beschmiert.

Dadurch ist der Steinbruch natürlich nicht so wahnsinnig beeindruckend. Machen wir uns also auf den Weg, den Findling zu besichtigen. Rechts vom Steinbruch direkt an dessen Rand beginnt ein kleiner Trampelpfad, der, meist unmittelbar am Rand bleibend, die Abbruchkante hinauf führt. Stellenweise ist bei der Begehung - bei Nässe und mit Kindern natürlich besonders – Vorsicht geboten.

Nach wenigen Minuten ist das Gelände überhalb des Steinbruches erreicht, an der höchsten Stelle liegt auf etlichen Quadratmetern der Sandsteinfelsen frei. Man erkennt jetzt, dass es sich vermutlich bei dem ganzen Hügel um einen Gletscherschliff handelt, die Kuppe ist abgerundet und wie mit Schleifpapier bearbeitet – der Gletscher der letzten Eiszeit hat sich alle Mühe gegeben, den widerspenstigen Hügel nieder zu walzen.

Ganz ist es ihm nicht gelungen und so hat er uns eine interessante geologische Besonderheit hinterlassen. Der Gletscherschliff ist allerdings schon teilweise durch den ehemaligen Steinbruchbetrieb abgebaut ist.

Auch der Eindruck der Verwahrlosung steigert sich nun leider zum massiven Ärgernis. Das Areal rund um die Kuppe versinkt fast im Müll, Plastikreste, Flaschen, Dosen und was der Mensch heute offensichtlich zum Überleben in der Wildnis alles so braucht, bedeckt den Boden.

Kein Wunder, dass auch der Findling, der knapp hinter der Kuppe zu finden ist, keinen sehr erhabenen Eindruck hinterlässt. Mit einer Größe von etwa einem Meter in der Länge ist der leicht ovale Stein nicht so sehr groß – freilich könnte er weit besser zur Geltung kommen wenn ...

Man kann sich dann auf einem kaum noch erkennbaren Pfad weiter durch die Büsche und durch Gestrüpp schlagen und so den Steinbruch noch gänzlich umrunden ein etwas mühsames Unterfangen. In jedem Falle steht man irgendwann wieder am Ausgangspunkt der Wanderung und wundert sich doch etwas, dass ein imerhin als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenes, geologisch besonderes und auch für den Laien interessant anzuschauendes Objekt so stiefmütterlich behandelt wird.

Sind es nur Besucher-Vandalen oder hat hier auch eine Gemeinde oder ein Landkreis noch nicht erkannt, welchen Schatz es zu hüten gilt?

Wir wissen es nicht, und so endet ein interessanter Exkursionstag mit bleibenden Eindrücken, von Begeisterung bis Nachdenklichkeit reichend ...

Eine interessante Quelle aus dem Jahre 1909, nämlich die Zeitschrift "Das bayerische Inn-Oberland – Organ des historischen Vereins Rosenheim, berichtet von den Steinbrüchen um Neubeuern, die interessantesten Auszüge seinen nachfolgend wiedergegeben:

Bei den Berg- und Schliffsteinhackern

Ein altes, leider auch eingagangenes Geschäft der Beuerer war der Handel mit Mühl- und Schleiffsteinen. Der Felsen, auf dem Neubeuern steht, zeigt schwere, tiefe Einschnitte, Wunden, die dem neuen Markt den Lebensnerv anzugreifen drohten. ... Der Stein, welcher hier gewonnen wurde, ist Kalk und Grünsand, nach der Art der massenhaft eingelagerten länglichen Schalen im Volksmund "Haberkorn" genannt. Dieser Linsenstein, auf dem Markt und Burg Neubeuern sich erheben, findet sich vor allem auf dem sürwestlichen Anbruch. In der sogenannten Wolfsschlucht wird er schon mehr Sandstein, setzt sich ostwärts bis Sinning mit verschiedenen Unterbrechungen und Änderungen fort und zeigt sich auch in größeren Lagern auf dem Tandelberg. Im Fadenberg bei Sinning verdichtet er sich zu einem Bruch grobkörnigen Granitmarmor, der zwar etwas schwer zu bearbeiten, aber desto schöner im Korn und dauerhafter ist.
Wie alt sind denn eigentlich diese Steinbrüche?
Zum ersten Mal werden sie in einer Urkunde vom Jahre 1489 erwähnt. Den beiden Brüdern Jakob und Kaspar von Thurn fiel damals nach der Teilung ihrer Güter je die Hälfte des Steinbruches zu. Demnach waren um diese Zeit die Steinbrüche bereits in Betrieb, was auch aus Rechnungen und Streitfällen nachgewiesen werden kann.
... In einer Streitsache über die Ausbeutung des Steinbruches am Hörberg im Jahre 1607 behauptete dessen Besitzer Hans Mahr, daß "über 100 Jahre her zu pehern zu jeder Zeit soviel Mühlsteine gemacht worden und jedesmal zu finden gewest, daß die umliegenden Landmüller dieselben nich alle gebrauchen und verkaufen können und dass dieselben durch die Steinhauer selbst und durch die Fürsthausser zu wasser außer Land geführt werden" ... Es ist um diese Zeit ein lebhaftes Treiben in den Steinbrüchen gewesen. Im Hörberg, der 1572 aufgeschlossen wurde, arbeiteten 7 Steinhauer, dazu noch 3 andere "arme Leut". ... Der größte Steinbruch war der in der jetzigen Wolfsschlucht. Es gehörte jahrhundertelange Arbeit vieler Hände dazu um dieses Gesteinsmaterial zu verwerten. Aus diesem Bruche allein mögen bei 12.000 cbm Schleiffsteine nach dem alten Markt ... verkauft worden sein. Der Handel mit diesen Steinen war äußerst lebhaft.
Keine Woche verging, ohne daß z.B. in der sogenannten kleinen Mautrechnung von Wasserburg v.J. 1618 Schleiff-, Wetz- und Mühlsteine aus Neubeuern verzollt waren.
Wie noch Bohrspuren in der Wolfsschlucht erkennen lassen, arbeitete man bei der Gewinnung von Schleiffsteinen meist mit Hilfe des Pulvers.
Die Mühlsteine wurden mit eisernen Stangen vom Felsen losgelöst, zum Schlusse ein Holzkeil in die Öffnung getrieben und dieser so lange mit Wasser begossen, bis der angeschwollene Holzkeil in die Öffnung getrieben und dieser so lange mit Wasser begossen, bis der angeschwollene Holzkeil unter mächtigem Getöse den Stein ganz wegsprengte. Diese Arbeiten kann man an den einzelnen runden Höhlungen bei Hinterhör heute noch verfolgen.
Um einen 10 Zoll dicken Mühlstein aus den Felsen zu hacken, hatte ein Steinhauer 10 Tage Arbeit. Der Mühlstein kostete um die Mitte des 17. Jahrh. 4-5 fl. Der Schleiffstein wurde 1581 mit 12 Kr. bezahlt. Es war sicher nicht alles Reingewinn des Unternehmers. Es hing gar viel Arbeit und viel Zeit daran, bis so ein schweres Ungetüm aus dem Bruch gehoben werden konnte. Viel Material an Seilen und Stahl ging zu Grunde. Es mußte eine eigene Schmiedewerkstätte zur Schaffung des Werkzeuges unterhalten werde; dazu kam die Verfrachtung, welche bei den damaligen schlechten Wegen viel Material zu Wasser und zu Lande erforderte und unbrauchbar machte.
... An die Wolfsschlucht du deren mächtigen Felsblock knüpft sich nachstehende Erinnerung: "Der alte Bruch" war im Ausbau der Oberfläche bereits so nahe gekommen, daß nach mehrwöchentlichem Regen die bewaldete Decke durch ihr eigenes Gewicht zusammenbrach und in die Tiefe ging. Das Ereignis wird in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverlegt an den Vorabend des Festes Maria Himmelfahrt. Die Arbeiter hätten des Vorabend des Festes mit dem Glockenschlag nach damaliger Sitte zu feiern begonnen, die Arbeitsstätte verlassen und so ihr Leben gerettet, da in nächsten Augennblick der Steinbruch unter gewaltigem Getöse zusammenstürzte. Der Steinbruch stand seither stille.
Erst im Jahre 1853 hat Rittmeister Bücholt die Schlucht aufräumen und zugänglich machen lassen.

Diese Exkursionsbeschreibung ist die gekürzte Fassung eines Kapitels aus:
Peter Hofmann:
Mensch & Höhle - Wege im Inntal: Ein anthropospeläologischer Exkursionsführer zu den Höhlen des unteren Inntales
zwischen Rosenheim und Kufstein. 
BOD-Verlag, Norderstedt, Mai 2005 ISBN 3-8334-2811-2.
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