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Peter Hofmann
Mensch und Höhle - Wege im Inntal


Rund um Fischbach
Der Besuch in der Eiszeit

Der kleine Ort Fischbach mag dem eilig Reisenden leicht entgehen – viel Spektakuläres hat er auf den ersten Blick nicht zu bieten.

Aber eine Wanderung rund um den Ort bringt doch einiges zu Tage: einen sehr schönen Gletscherschliff als Relikt der letzten Eiszeit, hautnahe Einsichten in einen großen Steinbruch, eine wildromantische Schlucht mit herrlichen Wasserfällen und – wen wundert es – zwei kleine, aber durchaus beachtenswerte Höhlenobjekte.

Spuren der modernen Zeit

Fischbach gehört zur Gemeinde Flintsbach und ist auf der Landstraße entweder von Brannenburg aus über Flintsbach oder von Oberaudorf (über Niederaudorf) schnell zu erreichen. Gleich, von wo man sich nähert, es werden jedem die beiden riesigen Steinbrüche auffallen, die sich hinter dem Ort in den Berg graben – Tribut an die moderne Zeit mit ihrem Bedarf an Baumaterialien.

Dass es freilich in früheren Zeiten kaum anders war, erschließt sich dem Wanderer an verschiedenen Orten, wie ja auch schon beim Weg um Neubeuern herum (siehe Weg 2). Nur die Dimensionen haben sich geändert!

Die Schönheiten, die es gilt, zu erwandern, liegen eher versteckt. Beide Haupziele dieser Exkursion, sowohl der Gletschergarten, direkt an der Autobahn gelegen, als auch die genau zwischen den beiden Steinbrucharealen versteckte Wolfsschlucht fristen ein klein wenig ein Schattendasein.

Den vorgeschlagenen Rundweg beginnt man am Besten in der Nähe der kleinen Kirche von Fischbach, die man direkt an der Durchgangsstraße findet. Gegenüber kann man gut parken.
An der Kirche entlang nach den nächsten beiden Häusern zweigt innseitig eine kleine Seitenstraße ab, die verheißungsvoll schon "Gletschergartenweg" heißt.
Unter der Bahn hindurch, nach rechts, an Häusern vorbei und dann über freies Feld ist in 20 Minuten das erste Exkursionsziel erreicht.

Spuren der Eiszeit

Der Wiesenweg endet unmittelbar vor dem Gletschergarten, das Gelände ist eingezäunt. Durch ein Tor betritt man den inneren Bereich und geht auf die niedrige Steinmauer zu, die das eigentliche, freigelegte Felsareal nochmals umschließt.
Einer Schautafel, die anlässlich des "Tages des Geotopes" 2002 vom bayerischen Geologischen Landesamt dort aufgestellt wurde, kann man interessante Informationen entnehmen (siehe Text im Kasten).

Der Gletscherschliff wurde beim Autobahnbau durchstoßen und freigelegt, bis dahin war er durch Schotter bedeckt. Deshalb auch ist er noch in fricher und unverwitterter Form erhalten.
Das Geotop zeigt einen großräumig freigelegten Gletscherschliff als Hinterlassenschaft des eiszeitlichen Inntalgletschers. Der Riegel aus Wettersteinkalk weist typische Erscheinungen wie Kritzungen, Rundhöcker und Kolke auf.

Auf dem geologischen Plan der Tafel ist schön zu sehen, dass der Gletscherschliff der Rest eines Hügels aus Wettersteinkalk ist – ebenso wie der linke der beiden großen, schon angesprochenen Steinbrüche aus diesem Gestein besteht. Der rechte Steinbruch liegt im Trias.

Dazwischen liegt noch Wettersteinkalk an, genau dort befindet sich unser Exkursionsziel Wolfsklamm. Kein Wunder, dass man dort also auf Höhlen treffen kann, der Wettersteinkalk ist schlecht verkarstungsfähig, aber in Maßen eben doch. Zudem dort, wie ebenfalls auf der Karte zu sehen ist, auch größere Störungen vorkommen – gute Voraussetzugen für eine Landschaft nach dem Geschmack der Speläologen!

Über ein paar Stufen kann man an den höchsten Punkt des Gletscherschliffes gelangen und dort die Phänomene in der Übersicht gut beobachten. Unter dem Betrachter tost der Verkehr der Inntal-Autobahn, und jetzt ist auch gut zu sehen, wie der Hügel vom Autobahnbau durchschnitten wurde und sich der Schliff auf der anderen Seite der Autobahn fortsetzt.

Spuren des modernen Bergbaues

Um den Rundweg zu den Wasserfällen fortzusetzen, kann man nun den Gletschergarten auf der anderen Seite, wieder durch ein weiteres (Dreh-)tor verlassen, etwas abwärts auf einem Forstweg stößt man gleich auf eine deutlichere Fahrstraße. Diese entlang (direkt neben der Autobahn) gelangt man nach ein paar Minuten zu einem Querweg (mit Unterführung unter der Autobahn), dort rechts ist wieder in wenigen Minuten die Landstraße Fischbach – Oberaudorf erreicht.

Am Hügel rechts direkt vor der Bundesstraße ist ein kleiner, ehemaliger Steinbruch zu sehen. Eigentlich schon erstaunlich, wie viele Steinbrüche man in diesem Bereich des unteren Inntales entdecken kann, wenn man offenen Auges durch die Landschaft wandert. (Weitere u.a. unmittelbar an der Straße in Richtung Oberaudorf im Bereich des Abschnittes, der durch den Wald führt, unterhalb den Resten der Ruine Kirnstein.)

Gegenüber der Einmündung zur Hauptstraße führt kaum 30 m rechts versetzt ein Fahrweg auf die paar Häuser von Hafnach zu, dort angelangt an der ersten Möglichkeit rechts erreicht man das Gelände des großen Steinbruches.
Eine an der Straßenkreuzung aufgestellte kleine Lok mit 2 Loren, leider schon etwas vergammelt, begrüßt den Wanderer und erinnert an Zeiten anderer Arbeitsmethoden.
Zunächst sollte man links Richtung Steinbruch gehen, an einem großen Betriebsgebäude entlang kann man an der vordersten Geländekante einen beeindruckenden Einblick in das riesige Areal gewinnen.

Wer den Blick dann nach links wendet, dem wird an der gegenüberliegenden Felswand ein markanter Stolleneingang mitten in der senkrechten Felswand auffallen. Vermutlich war dieser früher auf Geländeniveau, denn zwischen dem Standort des Betrachters und dem Stollenmund befindet sich die Hauptzufahrt zum eigentliche Steinbruchgelände, die vermutlich später eingetieft wurde.

Wer allerdings unbedingt jeden dunklen Gang in Augenschein nehmen möchte, kann die Stollenanlage über einen zweiten Eingang erreichen. Der befindet sich links überhalb der Schranke zu Beginn der Abfahrt in das Steinbruchgelände (die an Wochenenden geschlossen ist), etwa 20 m hinter der Schranke und 10 Höhenmeter über dem Straßenniveau. Über eine kleine Felsstufe kann man den Eingang erreichen, der nur etwa 1,5 m hoch ist.

Der Gang wird kurz nach dem Zugang aber sofort knapp 2 m hoch, mündet in einen etwa parallel zur Felsaußenkante verlaufenden Gang von noch deutlich größerer Dimension (etwa 25 m lang und mit etwa 3,5 x 3,5 Metern von annähernd quadratischem Querschnitt), der an seiner entgegengesetzten Seite rechtwinklig mit dem zweiten Eingang verbunden ist.
Insgesamt ist die Anlage natürlich nicht so wahnsinnig spektakulär. Über Alter und Zweck kann an nur Vermutungen anstellen, vielleicht handelt es sich um ein Lager (für Sprengmittel) aus der Anfangszeit des Steinbruchbetriebes.
Das Objekt ist zudem etwas verschmutzt, Teelichter an Wandvorsprüngen zeugen davon, dass der Gang der einheimischen Jugend wohl gut bekannt ist.

Spuren des historischen Bergbaues (?)

Nun wird es Zeit, den Rundweg zu den Wasserfällen der Wolfsschluch fortzusetzen.

Links an der vorhin erwähnten Ausstellungslokomotive vorbei, beginnt nach ein paar Metern an einem markanten, in den Boden eingelassenem großen Absperrstein ein schöner Waldweg, der am Steinbruchgelände entlang führt. Der Weg ist ausgeschildert.

Dann ist der Waldrand erreicht, ein Stück geht es über freies Feld auf die Häuser von Fischbach zu. An der nächsten Abzweigung links (beschildert) führt ein Wiesenweg wieder Richtung Waldrand und die Wolfsschlucht (ein alternativer Weg führt direkt am Waldrand entlang). An einer Bank den Hohlweg in den Wald hinein ist nach kürzester Zeit das Gebiet der Wolfsschlucht erreicht.

Ein Gebirgsbach hat hier einen wildromantischen Wassergarten geschaffen, zahllose Kaskaden, Wasserfälle, Gumpen und Nebengerinne laden eigentlich zu jeder Jahreszeit zum Betrachten ein – im Sommerhalbjahr bei üppige Vegetation ebenso wie im Winter, wenn Eisfiguren die Felsen überziehen.

Von rechts, von der anderen Seite des Baches, zieht ein Fußweg herauf und überquert den Bach auf einem schmalen Steg. Dort verläuft auch der vorgeschlagene Rückweg in den Ort.

Linke Hand am ersten großen Felsen entdeckt das aufmerksame Auge gleich eine Höhlung, die aber nicht weiterführt. Interessanter wird es, wenn man nach dem ersten großen Felsen, bevor der Weg zu den oberen Wasserfällen in Treppen übergeht, rechts Richtung Steg abzweigt. Nach 50 m steht man vor einer markanten Felswand mit zwei Höhleneingängen zu den unteren und oberen Gängen in der Wolfsklamm: Im oberen Bereich der Wand, etwa 7-8 Meter über der Basis lockt ein größeres, mannshohes Portal, direkt an der Basis befindet sich ein kleineres, dreieckiges Loch, 1,5 m hoch und am Boden fast ebenso breit.

Das untere Objekt entpuppt sich zwar als nicht groß, aber doch interessant. Gleich nach dem Eingang kann man in einem kleinen Raum fast aufrecht stehen, dann setzt sich ein kleiner Gang fort, der auf seiner ganzen Länge nach oben spitz zuläuft. Nach etwa 8 m endet er freilich ohne weitere Fortsetzung.

Um was handelt es sich überhaupt? Der auffallende Querschnitt und der ebene Boden sprechen für einen Stollen und gegen eine Naturhöhle - als solchen würde ich also das Objekt bezeichnen. Aber, um ehrlich zu sein, ganz sicher ist sich der Autor an dieser Stelle nicht, Literatur über Bergbauversuche an dieser Stelle gibt es meines Wissens nicht!

Der Besuch allerdings des oberen Objektes ist ungleich schwieriger und nur von oben möglich.

Auf dem erwähnten Treppenweg gelangt man auf den Felskopf oberhalb der oberen Höhle (mit einer Bank) und muss rechts von dieser Bank etliche Höhenmeter in einer Rinne steil abklettern. Eine Reepschnur von etwa 10 m Länge zur Sicherung einzuhängen ist unbedingt empfehlenswert, da die Rinne steil ist und viel Lockermaterial – Laub und Steine – die Abstiegsaktion nicht eben erleichtert.

Den Besucher enttäuscht dann vielleicht der Gang eher, denn auch er ist kaum länger als 9 m, durchwegs zwar etwas größer, so dass er aufrecht begangen werden kann, aber ansonsten ohne jede weitere Besonderheit - allenfalls der, dass es hierbei noch schwieriger ist, zu entscheiden, ob es sich um eine Höhle oder einen Bergbau handelt.

Vielleicht ist es lohnender, die Wasserfälle noch ausgiebiger zu besichtigen, der Weg geleitet noch weiter hinauf. Im oberen Bereich finden sich die schönsten Exemplare, der höchste fällt über 10 m frei herab. Allerdings ist in diesem Bereich derzeit (Stand 2004) nicht instand gehalten und in schlechtem Zustand (teils abgerutscht). Wer dies nicht scheut, kann über diesen Weg auch auf den Petersberg (oder Richtung Asten-Almen) gelangen. Bei den Einheimischen ist das ein "klassischer" Anstieg zum Petersberg, in den Karten auch verzeichnet aber aus den erwähnten Gründen nicht beschildert.

Auf philosophischen Spuren

Der Rückweg zum Ausgangspunkt der Rundwanderung sollte unbedingt über den erwähnten Steg und dann am orthografisch linken Ufer des Baches auf dem romantischen, sogenannten "Philosophenweg" erfolgen. In kurzer Zeit sind die Häuser von Fischbach erreicht und bald auch wieder der Ausgangspunkt der Wanderung

Wir meinen: Diese Exkursion zeigt vielleicht nicht die großen, spektakulären Objekte, aber auf kleinem Raum doch ganz unterschiedliche, das Inntal prägende Landschaftsformen, so dass sich der Weg für den wirklich Interessierten mehr als lohnt.

Diese Exkursionsbeschreibung ist die gekürzte Fassung eines Kapitels aus:
Peter Hofmann:
Mensch & Höhle - Wege im Inntal: Ein anthropospeläologischer Exkursionsführer zu den Höhlen des unteren Inntales
zwischen Rosenheim und Kufstein. 
BOD-Verlag, Norderstedt, Mai 2005 ISBN 3-8334-2811-2.
Nähere Informationen und Bestellmöglichkeit unter der Rubrik
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