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Peter Hofmann (2000)

Höhlen und Heilige: St Wolfgang
Der Bischof aus der Höhle

Dass in allen Religionen der Welt Höhlen eine Rolle spielen, überrascht natürlich die Teilnehmer von HöRePsy am wenigsten. Immer wieder stößt man auf neue Erkenntnisse zu diesem Themenkreis.

Gerade im christlichen Glauben weisen erstaunlich viele heilige Männer in ihrer Biographie Bezüge zu Felsen, Grotten und Höhlen auf, mit die erstaunlichsten Geschichten werden aber vom heiligen Wolfgang berichtet.

Werdegang eines Heiligen

Geboren 924 vermutlich in Pfullingen, wirkte Wolfgang 971 zunächst in Ungarn als Missionar, wurde dann aber schon 972 nach Regensburg als Bischof berufen und stellte sich dort als außerordentlich reformeifrig heraus. Nicht zuletzt diese Geisteshaltung begründete wohl seine ungewöhnliche Popularität; bis heute wird er an vielen Stellen verehrt.

Mit 70 Jahren, am 31. Oktober 994, verstarb er in Pupping (Oberösterreich). Sein Sterbetag ist bis heute sein Festtag im Kalender.

Bereits im Jahre 1052 wurde er heiliggesprochen.

Berührungen mit Höhlen ...

Seine erste Berührung mit Höhlen hatte er am Falkenstein am Abersee in Österreich, der heute nach ihm Wolfgangssee heißt.

Die Legende berichtet, dass er in frei gewählter Verbannung längere Zeit in einer Wohnhöhle (heute in einer Kapelle) in Gebet und Fasten zugebracht hat.

..., mit Quellen ...

In seiner Waldeinsamkeit vollbrachte er auch sein erstes Wunder. Er schlug eine Quelle aus dem Felsen, weil es seinen Begleiter dürstete.

Die Quelle ist heute noch zu besichtigen (siehe Exkursionsbeschreibung). Der Bezug zu Quellen ist bei Wolfgang in der ganzen Mythologie und Lebensgeschichte so stark, dass man dahinter wohl die Umformung eines heidnischen Wassermythos vermuten kann. Gegen solche heidnischen Bräuche, Riten oder Kultstätten hat das Christentum gerade in der Anfangszeit ja ganz bewusst "starke" Heilige und ihre Wunder und Zeichen gesetzt, um sie zu bekämpfen. (Damit befindet sich Wolfgang durchaus in bester Gesellschaft, z.B. der Gottesmutter Maria selbst, mit der eine Unzahl von heiligen Quellen in Verbindung gebracht werden – allein in Bayern über 40!)

... und Felsen

Ganz besonders ausgeprägt aber ist die Beziehung des Heiligen zu Felsen – verbunden mit seiner Fähigkeit, diese zu verformen!

Auch diese Beziehung begann am Falkenstein. Der Aufenthalt dort war eine einzige Auseinandersetzung mit dem personifizierten Übel, dem Teufel, der Wolfgang auf verschiedene Weise zusetzte.

Der Teufel wollte ihn einmal durch einen Felssturz erschlagen, aber Wolfgang hielt die Felsen auf. So demonstrierte er seine Macht über den Teufel und die Naturgewalten gleichzeitig. Auf dem Felsen aber hinterließ Wolfgang Abdrücke – auch diese sind heute noch zu sehen ...

Auf ein Kuriosum im Zusammenhang mit dem Aufenthalt des Heiligen am Falkenstein sowie seinem Kampf mit dem Teufel weist Pfarl (1993) am Rande hin. Neben der Stelle des beschriebenen Felssturzes befinden sich in einer Felswand (nähere Ausführungen dazu siehe die Exkursionsbeschreibung) Felsritzbilder, insgesamt sechs Kreuze.

Das Einsiedlerleben des Heiligen wurde nun natürlich öfter in der Kunst dargestellt. Just diese Kreuze sind dabei einige Male abgebildet: auf einem Holzschnitt von Weyssenburger 1515 (Abbildung), auf einem Altarflügel in Schwäbisch Hall und auf einem volkstümlichen Gemälde in St. Wolfgang bei Baumberg, aus dem 18. Jh. stammend.

Wie Pfarl ausführt, handelt es sich bei diesen Darstellungen vermutlich um die einzigen Darstellungen in der bildenden Kunst, auf denen Felsritzungen wiedergegeben werden.

Andere Quellen sehen in folgender Legende die Begründung des Felsmythos:

Auf einer Reise von Regensburg - Wolfgang war da bereits Bischof - nach St. Wolfgang (bzw. an den Abersee, wie er da noch hieß) rastete er in Baumburg. Erschöpft von der mühevollen Reise schlief er. Am Morgen verschlief er die heilige Messe. Um sich deswegen zu kasteien, wollte er sich auf den Felsen werfen, der gab aber nach, so dass sich Wolfgang nicht verletzte.

In der Kirche von Baumburg ist der stark verformte Fels heute direkt vor dem Altar im zentralen Platz des Kirchenschiffes zu sehen. An drei Seiten (zum Volk hin und auf den beiden Schmalseiten) ist der Platz mit einer niedrigen Mauer umgeben, in deren rechter Schmalseite eine halbrunde Öffnung prangt – der zweite Durchschlupfbrauch in Verbindung mit Wolfgang (Foto bei Lindenmayr 1996). Übrigens soll das Durchkriechen an dieser Stelle insbesondere Frauen Fruchtbarkeit bringen (Pfarl 1993), wenn sie dabei zudem die Füße in den schrundigen Felsen stellen.

Wolfgangverehrung allerorten

Wen wundert es - bei soviel Glaubenskraft - dass Wolfgang zu einem der populärsten Heiligen der katholischen Kirche aufrückte. Überall finden sich Wolfgangskirchen, und immer lohnt es sich, genau darauf zu achten, ob nicht irgendeine Verbindung zu Quellen, Felsen oder Höhlen besteht.

Besonders die Steine sind immer wieder in Wolfgangskirchen vertreten. Wie schon erwähnt: viele heidnische Kultplätze erhielten damit einen christlichen Sinn.

20 Kilometer hinter der Grenze nach Pilsen auf tschechischer Seite steht ein Aussichtsturm mit Kapelle. In der Kapelle findet sich ein Stein mit Abdruck. Interessanterweise befindet sich in der Kirche von St. Wolfgang am Wolfgangssee ein offensichtlich als Votivgabe gespendetes Bild davon.

Bei Griesbach in Niederbayern ist ebenfalls ein Stein mit Spuren außen erhalten.

Bei Gerabach in Österreich, 25 km von St Wolfgang am Wolfgangsee entfernt ist es ein Brunnen, der dem Heiligen zugeschrieben wird.

In St. Wolfgang, auf halbem Weg zwischen Haag und Dorfen in Bayern gelegen, schlug er ebenfalls eine Quelle aus dem Felsen, weil der Brunnen des Ortes vergiftet war durch die Leichen, die die Ungarn nach ihren schrecklichen Einfällen hinterließen.

Heute steht eine Kapelle über der Quelle, die ihrerseits wieder einbezogen ist in den Gesamtbau einer großen Kirche, denn bei der Anlage handelt es sich um ein ehemaliges Kollegiatsstift. (Nebenbei wird die Kirche insgesamt von den einschlägigen Kunstführern hochgerühmt als einer der schönsten, spätgotischen Backsteinbauten Bayerns mit einer bedeutenden Ausstattung.)

Einer der interessantesten Orte dürfte der Weiler Valentinhöft bei Mattigkofen in Österreich sein. Rechts neben der Kirchentüre (hinter einem Verschlag, den man aber von der rechten Seite aus betreten kann) befindet sich ein Greifloch in der Kirchenmauer. Es handelt sich um einen großen, eingelassenen Stein, der ein seltsam schrundig geformtes Loch besitzt. Wolfgang griff hier der Überlieferung nach durch die Mauer und öffnete die Tür von innen, weil er die Kirche verschlossen fand und nicht hinein konnte.

Nicht unterschlagen werden soll auch der Durchkriechgang in der Krypta des Regensburger Domes, wo sich auch das Grab des Heiligen befindet. Der Gang ist aber heute verschlossen (Lindenmayr 1996).

Und nochmals die Höhle

Die vielleicht schönste Höhle schließlich, die den Namen des Heiligen trägt, in Verbindung mit einer Wallfahrtskirche des Hl. Wolfgang, befindet sich in der Nähe von Velburg in der Oberpfalz.

In der südöstlichen Felswand hinter der Wallfahrtskirche liegt der mächtige Doppeleingang der Wolfgangshöhle. Die Klufthöhle besitzt einen rechtsseitig vom Felsen begrenzten Vorplatz, von dem man in die geräumige Vorhalle gelangt. Nach hinten verjüngt sich die Höhle, von jeder Seite zweigen nochmals je zwei kammerartige Gänge ab, die zum Teil durch Deckenverbruch unterbrochen sind. Der größere Gang hinten rechts war früher vermauert (Beschreibung siehe Exkursionsführer).

Bezeichnend ist bei dieser Höhle, daß sie im Volksmund seit jeher Druidentempel heißt !! Die Grabungen des Apothekers Wirsching aus Velburg um 1900 ergaben angeblich (die Funde sind verschollen) eiszeitliche Steinwerkzeuge ebenso wie Scherben, ganze Tongefäße, Bronze- und Eisenschmuck, also die fast durchgehende Belegung aller wichtigen Kulturperioden von jüngerer Steinzeit über Bronze- und Eisenzeit bis ins Mittelalter. (Herrmann, 1976, S. 77) Sollte es sich also um einen uralten Kultplatz handeln ?

Ein direkter Bezug freilich zur Kirche und zum Heiligen Wolfgang – außer der Lage und dem Namen – besteht nicht (vgl. auch Exkursionsbeschreibung).

Ein weites Feld

Wie schon angedeutet, das Feld "Höhlen und Heilige" ist unerschöpflich.

Zahllos sind die Berichte über Aufenthalte von heiligen Frauen und Männern in Höhlen, sei es vorübergehend zur Flucht und als Versteck (wie die heilige Notburga, von der im Tagungsband 1998 zu lesen war), sei es als selbstgewählter Wohnort ( wie die Romualdohöhle in Istrien) oder gar als Ort der besonderen Gegenwart Gottes (wie es der Prophet Jesaja selbst erfahren durfte, wie die Bibel berichtet).

Nur der Vollständigkeit halber sei auch auf die Tradition der Reclusen verwiesen, also derjenigen Gottesfürchtigen, die sich für den Rest ihres Lebens einmauern ließen – ein im Mittelalter durchaus praktizierter Beweis von Gottgläubigkeit – die großartigen Höhlenkirchen Kappadokiens stehen in engem Zusammenhang mit verschiedenen bewiesenen Fällen von Einschluss.

Sicher ist dies also ein Thema, das HöRePsy noch oft beschäftigen wird – vielleicht sogar einmal ein eigenes Schwerpunktthema verdient hätte ...?


Auf den Spuren des Hl. Wolfgang
(I)
Der Pilgerweg am Wolfgangsee

Der Weg von St. Gilgen am Wolfgangsee über Fürberg und den Falkenstein und weiter über die Ortschaft Ried nach St. Wolfgang ist ein uralter Weg und heute europaweit ein einmaliger Kulturweg.

Der Pilger auf diesem Weg ist heute keineswegs alleingelassen. Seit einigen Jahren dokumentieren 24 Tafeln mit Erläuterungen die wichtigsten Stationen an diesem Weg und seine kulturgeschichtliche Bedeutung.

Der Weg ist angenehm und einfach zu begehen, die einzige Schwierigkeit ist der relativ steile, etwa halbstündige (200 Höhenmeter) Anstieg auf den Rücken des Falkenstein.

Dafür ist der Weg landschaftlich ungemein abwechslungsreich. Für den gesamten Weg muß mit 2,5 bis 3 Stunden Gehzeit gerechnet werden. Idealerweise legt man eine Strecke mit dem Schiff zurück (z.B. am Vormittag von St. Wolfgang nach St. Gilgen und hat dann einen herrlichen, an vielseitigstem Erlebniswert kaum mehr zu übertreffenden Ausflugstag.

Auf dem Pilgerweg

Die korrekteste Art, den Weg kennenzulernen, wäre die Marschrichtung von St. Gilgen nach St. Wolfgang.

Von der Schiffsanlegestelle St. Gilgen geht es zunächst am See entlang nach Fürberg, einer weiteren Schiffsanlegestation. (Hier wäre auch schon eine gute Möglichkeit der Einkehr.)

Ein Stück führt der Pilgerweg nun weiter direkt am Seeufer entlang, dann zweigt er nach links ab und bald beginnt dann der erwähnte, halbstündige, steile Aufstieg , der uns 200 Höhenmeter hinauf auf den Falkenstein bringt.

Kurz vor Erreichen der Passhöhe erregt ein sonderbar aufgeschlichteter, großer Haufen schwerer Steine die Aufmerksamkeit. Tatsächlich handelt es sich um ein künstliches Gebilde, denn die Pilger schleppten früher zur eigenen Kasteiung häufig noch Lasten, eben schwere Steine (oder auch Eisenketten um den Hals) mit sich.

Endlich ist die Kirche des Heiligen Wolfgang über seiner Wohnhöhle erreicht. Mit der rechten Seite ist sie direkt an den Felsen geklebt. Über eine Treppe erreicht man das Kirchenschiff.

Die Örtlichkeit wurde 1350 erstmals urkundlich erwähnt. Die heutige Kirche wurde 1626 erbaut, der Altar, heute hinter einem schmiedeeisernen Gitter, kam 1692 dazu. Das Altarbild (um 1630 von Adam Pürkmann angefertigt) führt den Pilgern das Ziel ihres Weges, die Kirche in St. Wolfgang, vor Augen. Daneben ist der Heilige selbst zu sehen, wie er für die Gläubigen Fürsprache leistet. Insgesamt gleicht die Anlage fast aufs Haar der 1514 errichteten Kreuzkapelle im St. Petersfriedhof in Salzburg.

Auffällig sind drei miteinander verbundene (Halb-) höhlen im Inneren der Kirche im Felsen. Zu diesen führt direkt aus dem Kirchen-schiff rechts an der Wand eine Stiege hinauf. An deren oberen Ende erreicht man rechts eine Nische.

Die ersten beiden Höhlen bilden eine Durchkriechstelle. Der Durchschlupf hat ein schlüsselloch-förmiges Profil und ist knapp mannshoch. Die Menschen schlüpfen durch, um sich das Übel abzustreifen. Schon zur Bauzeit des Altares (1692) hatten die Pilger nachweislich den Durchkriechbrauch gepflegt. Und natürlich versäumt auch der heutige Besucher dieses Erlebnis nicht (vgl auch ausführlich Lindenmayr 1996).

Der Durchschlupf führt in eine Kammer, die auch zur Seite der Stiege hin wieder offen ist, ein rasch enger werdender Schlufgang führt noch einige Meter weiter. Diese Kammer ist der einzige halbwegs als solcher benutzbare Aufenthalts-raum, wahrlich eine karge Behausung für einen Einsiedler!

Auch die Glocke der Wallfahrtskirche haben die Pilger übrigens zu läuten. Schafft man es, sie in der rechten Stärke anzuschlagen, so dass sie drei Töne hören lässt, hat der Pilger einen Wunsch frei.

Neben der Kirche an der Felswand befinden sich noch zwei Halbhöhlen.

1659 - 1811 lebten Einsiedler hier in der Nähe und hielten das Andenken an den Hl. Wolfgang in Ehren. Neueste Forschungen bestätigen, dass Kaiser Maximilian der Erste, gestorben 1509, allen Ernstes daran dachte, hier in der Waldeinsamkeit für sich eine Grabstätte zu errichten. Die Bronzestatuen in der Hofkirche in Innsbruck sollen dafür bestimmt gewesen sein.

Dann macht man sich wieder auf den Weg. Von der Kirche in Richtung Abstieg nach St. Wolfgang kommen einige interessante Stellen kurz hintereinander:

Zunächst folgt - noch in Sichtweite der Kirche - die Quelle des Wunderbaren Wassers.

Anfangs hatte ein Laienbruder Wolfgang begleitet. Doch er fand das Leben in der Wildnis allzu beschwerlich, zumal er beständig Durst leiden musste. Da stieß der Heilige mit seinem Stab gegen einen Stein und es sprang eine Quelle hervor. Sie fließt heute noch im Inneren des kleinen Gebäudes in einen kleinen Steintrog, so daß man davon bequem trinken kann. Das Wasser gilt als heilsam für die Augen. Wünschelrutengänger bezeichnen das Wasser als stark "rechtsdrehend".

Genutzt hat das Wunder dem Heiligen übrigens nicht sehr viel, sein Begleiter ließ ihn bald darauf alleine in der Wildnis zurück.

Etwas muß man nun (leichter steigend) noch bergauf gehen, dann hat man den Falkensteiner Sattel erreicht und damit die höchste Stelle des Pilgerweges. Unter einem schützenden Dach ist schon die nächste besondere Stelle verborgen: an der Felswand neben dem Wege sind drei Eindellungen zu sehen. Der Teufel hat hier versucht, Wolfgang mit einem Felssturz zu erschlagen! Der Heilige stemmte sich gegen die Felsen und hielt sie auf, die Abdrücke von Kopf und Händen sind deshalb im Fels noch zu sehen. (Wahre Pilger suchen hier Schutz oder Heilung von Kopfschmerzen, wenn sie ihrerseits den Kopf in die Vertiefung legen.)

Für den Höhlenkundler sind die Felswände links und rechts des Weges noch aus anderem Grunde interessant. Man geht hier fast durch eine Art Klamm, eigentlich müsste es für mittelalterliche Pilger sehr verlockend gewesen sein, hier Zeichen im Fels zu hinterlassen.

Und richtig, schon bei oberflächlicher Begutachtung fallen mehrere Felsritzbilder, u.a. drei große Kreuze (gleich nach der Kapelle) auf. Insgesamt befinden sich auf der Felswand 6 Kreuze.

Wie bei allen Felsritzbildern ist die Datierung natürlich schwierig, über ein Alter kann nur spekuliert werden. Leider nur knappe Ausführungen dazu finden sich in ANISA (1993).(Vgl. Abbildung im Text oben.)

Kurz bevor man schließlich den Falkensteiner Sattel wieder verlässt, befindet sich die interessanteste Stelle des Weges.

Um den ständigen Nachstellungen des Teufels schließlich zu entgehen, warf ja der Heilige sein Beil in das Tal, mit dem Gelübde, dort, wo er es wiederfände, eine Kirche zu bauen. Bekanntlich geschah letzteres an der Stelle der heutigen Pfarrkirche St. Wolfgang im gleichnamigen Ort.

Auf dem Sattel nun befindet man sich an der Stelle des Beilwurfes. Von hier aus sieht der müde Pilger auch das erste Mal die Kirche von St. Wolfgang, sein Ziel. In einer kleinen Kapelle am Wegesrand befinden sich die Reste eines gotischen Bildstockes, zwei würfelförmige, große Steine, die auf einer fast völlig plan geschliffenen Seite aufeinanderliegen. Daher kann man den oberen Stein mit etwas Kraftaufwand um seine Achse drehen. Schafft man das dreimal, soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.

Nun beginnt der Abstieg (ebenso steil wie aufwärts); unterwegs spendet ein malerischer kleiner Wasserfall nochmals wohltuende Kühle.

Nach dem steilen Stück findet sich eine weitere Station, die mit einer Steinverformung zu tun hat, die "Rast am wachsweichen Stein".

Als der Hl. Wolfgang vom Falkenstein herabstieg, um seine Axt zu suchen, ließ er sich auf diesem Stein nieder um zu rasten. Der Stein aber hat sich "über den durch Hunger und Durst ausgemergelten Einsiedler gleichsam erbarmt, die Weiche von Wax angenommen und Wolfgang eine gelinde Ruhe- und Raststatt abgegeben". So zumindest steht es in einem Mondseer Mirakelbuch von 1732 geschrieben.

Die Abdrücke des Heiligen sind in dem sonderbar geformten Felsblock bis heute erhalten und so setzen sich die Wallfahrer für die Dauer eines Vaterunsers darauf, was schon manches Wunder bewirkt haben soll!

Wir aber setzen nun den Weg fort, schließlich eben bis zur Kirche von St. Wolfgang. Selbstverständlich gilt es auch diese entsprechend zu würdigen. Abgesehen von der kunsthistorischen Bedeutung der Kirche, über die sich der Pilger mittels Kirchenführer leicht informieren kann, ist eine kleine Seitenkapelle für uns bedeutend. Aus dem Kirchenschiff auf der linken Seite gelangt man in einen Raum, der eine idealisierte Nachbildung der Klause des Hl. Wolfgang auf dem Falkenstein, eingebaut in ein kleines Kapellchen, enthält. Und siehe da, davor zeigt sich wieder ein blankes Stück Fels, seltsam zerschrunden und unnatürlich geformt ...

Ein geeigneter Ort, um einen Tag voller Eindrücke ausklingen zu lassen ...

... und noch ein ergänzender Hinweis:

Wer nicht mit dem Schiff fahren möchte, kann den Berg auch über einen schönen Rundweg besuchen, den man dann zweckmäßigerweise folgendermaßen angeht:

Vom Ortszentrum St. Wolfgang hinauf zum Kalvarienberg. Der Weg ist auch von der Kirche weg angeschrieben, der Kalvarienberg mit kleiner Kirche fällt besonders am Abend auf, wenn er von der Höhe schön angestrahlt leuchtet. Von dort weiter die Straße entlang in Richtung eines höhergelegenen Bauernhofes, schon vorher (nach 5 Minuten) Teerstraße von unten links kommend, auf dieser trifft man nach wenigen 100 m auf ein Restaurant direkt am Bach. (Sehr empfehlenswert, gebratener Saibling unübertroffen!) Über die Terrasse der Jausenstation und über die Brücke, auf der anderen Seite hinauf beginnt der Riedersteig. Die Trasse der Zahnradbahn überquert man auf Höhe des Trafohäuschens, danach zunächst die Teerstraße aufwärts, nicht der erste größere Weg, sondern erst der zweite Weg, der nach wenigen Minuten davon abzweigt, ist der Riedersteig, die Abzweigung ist beschildert. Als schmaler Steig zieht sich der Weg nun auf einem Rücken meist schattig dahin, die herrlichen Blicke auf den See verlocken, eine der Bänke unterwegs zu nutzen. Nach einer halben Stunde trifft man auf den Fittness-Parcour mit entsprechenden Aufforderungen zu gymnastischen Übungen. Man verfolgt den Parcour leicht bergauf, dann in den Wald bis zu einer Treppe, auf der man etliche Höhenmeter absteigen muss. Am Fuß der Treppe verläßt man den Parcour auf dem schmalen Wiesenweg nach rechts. Man stößt wieder auf einen kleinen Fahrweg, den man rechts aufwärts verfolgt, dann hält man sich immer eher aufwärts. Schließlich stößt man auf den als Weg 28 bezeichneten eigentlichen Pilgerweg über den Falkenstein (wie oben beschrieben). Dieser ist nicht zu verfehlen.

Der Verlauf des Riedersteiges ist insgesamt sehr schlecht markiert und beschildert, aber die Orientierung im Gelände ist nicht so schwierig.


Auf den Spuren des Hl. Wolfgang
(II)
Die Wolfgangshöhle bei Velburg (Opf.)

Der Ausflug nach Velburg führt in schöne oberpfälzer Landschaft.

Velburg ist eine Autobahnausfahrt auf der Strecke Nürnberg-Regensburg. Am besten man besucht (und würdigt) zunächst den historischen Marktplatz von Velburg. Nahe des Zentrums zweigt auch die alte, kleine Straße nach St. Wolfgang ab, sonst nimmt man die neue Kreisstraße. Es sind nur wenige Kilometer zu fahren oder zu wandern.

Nähert man sich dem kleinen Dorf St. Wolfgang, ist links der Straße auf halber Höhe des Hügels, an dessen Fuße die paar Häuser liegen, schon von weitem das Hohlloch zu sehen. Rechts unterhalb liegt der Ort mit der erhöht stehenden Kirche, die man als erstes ansteuert. Sie ist erbaut 1467 im gotischen Stil und war einst bedeutender Wallfahrtsort – gerühmt als oberpfälzisches Altötting. Heute freilich ist es recht still um die Kirche geworden und eher selten verirrt sich ein einsamer "Pilger".

Von der Höhle ist – wenn man vor der Kirche steht - nichts zu sehen, sie liegt 20-30 Höhenmeter aufwärts im Hang des Hügels, direkt oberhalb der Kirche, insgesamt etwa 100m entfernt. Man kann über Wiesen und auf Steigspuren aufsteigen. Empfehlenswerter ist aber eine Rundwanderung, die das Hohlloch einschließt.

Neben dem kleinen Parkplatz an der Kirche zieht eine kleine Straße (eine kurze Strecke ist sie noch geteert) den Hang hinauf, ein Schild "Hohlloch" weist den Weg. Nach 100 m schon zweigt rechts ein Weg ab. Er geleitet über 2 Kehren zu schön gelegenen Picknickplätzen und schließlich an schön bemoosten Felsgruppen vorbei zum imposanten Portal des Hohlloches in der hier etwa 30 m senkrecht aufragenden Felswand.

Die nach Süden geöffnete Halle hat die Ausmaße von 40 x 17m x 11m, der Eingangsbogen wölbt sich bei einer Breite von 11m stattliche 16m hoch. Ein stattlicheres Entree wird man in der ganzen Oberpfalz schwer finden. Schade, dass der Besitzer vor etlichen Jahren auf die Idee kam, den Raum für Feste herzurichten, so daß heute störende Einbauten den Ort arg verschandeln, der hinterste Teil ist zudem mit einem Eisengitter abgesperrt. Fast überflüssig, zu erwähnen, daß bei der Aktion die Bodensedimente ausgeräumt wurden und der wertvolle Inhalt zerstört wurde. (Aus Ausgrabungen im 18. Jh. weiß man, daß prähistorisches Kulturgut gefunden wurde, leider ging dieses in einer privaten Sammlung verloren.)

Wenden wir uns lieber also der eigentlichen St. Wolfgangshöhle zu. Ein paar Meter vom Höhlenportal weg rechts führt ein Weg zu einer kleinen Steigleiter und durch ein Felsenfenster hindurch. Auf fast gleicher Höhe bleibend gelangt man zum wildromantischen Doppeleingang.

Das linke Felsentor ist etwa 10 m breit und 5-6 m hoch, das rechte noch deutlich größer. Ein großer Gang, 5m hoch, zieht sich gerade 30m hinein. Hinten teilt er sich, der rechte, größere Gang war früher vermauert, starke Mauerreste sind noch vorhanden, der linke Gang führt noch 20 - 30m weiter, dann wird er sehr niedrig.

Auch näher am Eingang führen bereits fast genau gegenüberliegend zwei Seitengänge ab. Der linke endet in einer Kammer, der rechte ist insofern bemerkenswert, als er reiche Sinterfahnen enthält. Diese sind schon sehr lange inaktiv und bereits wieder in Auflösung begriffen: wie von Säure zerfressen wirkt die Oberfläche überall. (Schade, daß auch hier wieder Vandalen ihre überdimensionierten Schmierereien anbringen müssen.)

Ein Blick aus dem Inneren der Höhle zum Eingang lenkt unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Kirche zurück, deren Turm nun genau im Eingang in der Verlängerung des Höhleneinganges steht.

Und wir sinnieren, ob dieser Bezug ein Zufall sein kann ...


Literatur:

Herrmann, Friedrich (1976), Jurahöhlen in der Oberpfalz Pustet-Verlag, Regensburg, 1. Auflage 1976

Klappacher, Walter (Red.,1992) Salzburger Höhlenbuch Band 5 Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg (Hrsg.), Salzburg 1992

Lindenmayr, Franz (1996), Von Lochsteinen und Durchkriechbräuchen in: HöRePsy Tagungsband 1996 München, Selbstverlag

Pfarl, Peter (1993), St. Wolfgang - ein uralter Kultort in: Verein Anisa 1993, Seite 9-15

Verein ANISA (Hrsg. 1993), Alpine Volkskunst auf Fels: Die Felsritzbilder des Wolfgangtales Katalog zur Ausstellung, Mitteilungen der ANISA, 14. Jg., Heft 1/2 Gröbming, Österreich, Selbstverlag


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